13.08.2020

China: Es gibt sie wieder – richtige Messen!

Von Stefanie Schmitt, GTAI Beijing

Im Juli war ich in Shenzhen. Auf meiner ersten Dienstreise dieses Jahr. Auf der Modemesse „Chic“, offline, mit richtigen Ständen, Mode zum Anfassen und echten Besuchern. Ein kleines Abenteuer in Coronazeiten – und selbstverständlich erst nach dem obligatorischen Coronatest. Vor allem das Finden eines Hotels, das Ausländer als Gäste akzeptiert, erforderte ungezählte Telefonate. Rund um das Shenzhen World Exhibtion and Convention Centre war keines zu diesem Wagnis bereit – trotz negativen Testergebnisses. Zwar lässt die Stadt Shenzhen ausländische Besucher zu, aber letztlich entscheiden die jeweiligen Nachbarschaftskomitees darüber, wer bei ihnen übernachten darf. Die Hotels müssen sich danach richten. Schließlich bin ich doch untergekommen, wenn auch 30 Kilometer entfernt und sogar innerhalb der Bundesrate.

Selbst ein negativer Corona-Test ist in China noch keine Garantie für einen Ausländer, ein Hotelzimmer zu bekommen.

Auch sonst war vieles anders als sonst auf der Chic: Von ihrem internationalen Anspruch einer „China International Fashion Fair“ war sie dieses Jahr weit entfernt. Nur eine Handvoll ausländischer Marken war über ihre lokalen Distributoren vertreten. Die rigorosen Einreisesperren Chinas für Ausländer hatten die Einreise internationaler Aussteller und Besucher verhindert. Wie der deutsche Pavillon fehlten die Italiener, Franzosen, Koreaner oder Japaner, die sonst allein ganze Hallen für sich beanspruchten. Da überdies viele Unsicherheitsfaktoren und die schlechte ökonomische Lage auch einheimische Firmen von einer Teilnahme abhielten, waren die Organisatoren von China World Exhibitions froh, überhaupt eine Halle füllen zu können.

Deutlich mehr Besucher als erwartet

Vor diesem Hintergrund grenzt es fast an ein kleines Wunder, dass die Chic trotzdem „offline“ stattfand und dass trotz strenger Sicherheitsmaßnahmen wie erforderlicher Registrierung nur über den realen Namen mit ID-Nummer, Reisenachweis, grünem Code der Sicherheits-App und negativem Coronatest für Personen aus Risikogebieten mit fast 42.400 Besuchern deutlich mehr kamen als erwartet. Tatsächlich spielte sich das „wahre Messegeschehen“ zweigleisig ab: Offline in Halle neun und über hierfür entwickelte Apps Online-Gespräche und Online-Matchmaking-Veranstaltungen; eine Kombination, die bestimmt auch nach Corona stärker genutzt werden dürfte, selbst wenn die persönliche Präsenz sicherlich vorzuziehen ist. Doch für die Veranstalter und Teilnehmer war das Signal klar: „Wir sind noch da. Das Geschäft geht weiter.“

Wenigstens eine der vielen Hallen auf dem Gelände war während der diesjährigen Modemesse „CHIC“ in Shenzhen einigermaßen gefüllt.

Genauso denkwürdig gestaltete sich im Übrigen die die Rückreise. Vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen standen die Passagiere in gefühlt (nicht gezählt) 50 Reihen Schlange. Keine davon unterschied sich in meinen Augen von der anderen (außer in der Geschwindigkeit, und da war ich, wie fast immer, in einer der langsameren). Doch als ich vorne ankam, verwies mich eine Dame vom Sicherheitspersonal an die Nachbarschlange, denn hier könne man nur mit chinesischer Identitätskarte durch. Nachdem ich die Nachbarschlange glücklich hinter mich „gewartet“ hatte, wurde ich erneut abgewiesen: „Sie wollen nach Beijing? Das geht nur an Schalter 18.“ In die Kapitale wollen und einen ausländischen Pass besitzen – „Welcome“ in der neuen Corona-Realität!

P.S. Die nächste chic findet vom 23. bis 25. September 2020 in Shanghai statt.

Wer darüber hinaus mehr über Chinas Bekleidungsindustrie erfahren möchte, kann sich hier in einem aktuellen GTAI-Artikel informieren: Chinas Bekleidungsbranche fokussiert sich stärker auf den Binnenmarkt