17.09.2019

„Haze“ macht Malaysias Bevölkerung zu schaffen

Von Werner Kemper, GTAI Kuala Lumpur

„Der Markt für Luftreiniger bietet gute Geschäftsmöglichkeiten“ oder „Absatz von Staubschutzmasken legt stark zu“. So, oder so ähnlich könnte die Überschrift eines typischen GTAI-Branchenberichts über Malaysia derzeit lauten. So positiv diese Aussagen für entsprechende Branchenhersteller sein mögen, der Hintergrund ist alles andere als positiv.

Alle Welt spricht (zurecht!) von den verheerenden Bränden im Amazonas. Aber auch Malaysia leidet derzeit unter den Auswirkungen von Brandrodungen und Buschbränden. Allerdings finden diese in Indonesien statt (siehe Foto mit „Hotspots“). Der dadurch entstehende Haze (trübe Sicht durch Feinstaub) hängt schon seit über fünf Wochen über dem Land und hat sich seit Anfang September drastisch verschlechtert. Seither ist Malaysia nahezu jeden Tag unter den Top Ten der Länder, die nach dem „Air Quality Index“ (AQI) die schlechteste Luft haben. Am Mittwoch (11.9.19) war Kuala Lumpur laut dieser Skala sogar die Stadt mit der schlimmsten Luftverschmutzung weltweit!

Die Qualität der Luft in weiten Teilen Malaysias pendelt aktuell zwischen „ungesund“ und, an besseren Tagen, „ungesund für Risikogruppen“. Normalerweise dauert der Haze ein bis zwei Wochen, jeweils im Juli oder August, wenn die Landwirte in Indonesien Felder abbrennen. So schlimm wie derzeit war es aber zuletzt vor fünf Jahren. Damals war es ebenfalls extrem trocken und die Brände gerieten außer Kontrolle. Wissenschaftler sehen den Zusammenhang der akuten Trockenheit mit dem regelmäßig wiederkehrenden „El Nino-Effekt“.

Regierung lässt Schutzmasken verteilen

Manche Touristen sehen es etwas gelassener, doch wer in Kuala Lumpur lebt, geht kaum noch ohne Schutzmaske aus dem Haus.

Um die schlimmsten Effekte für die Bevölkerung abzumildern hat die malaysische Regierung bereits 500.000 Staubschutzmasken vor allem an Risikogruppen (Kinder und ältere Menschen sowie Menschen mit Atemwegserkrankungen) im Bundesstaat Sarawak verteilt. Sarawak ist der am stärksten vom Haze betroffene Bundesstaat. Von sportlichen Aktivitäten im Freien wird dringend abgeraten, etliche Schulen sind bereits geschlossen und weitere werden folgen, wenn sich nicht bald Besserung einstellt.

Die Freitagsgebete konzentrieren sich hier, wie auch in weiten Teilen Indonesiens, auf die dringende Bitte, dass es bald regnen möge. Dies wäre eine große Hilfe für die zig Tausend Brandbekämpfer in Indonesien, die alle Hände voll zu tun haben, die über 5.000 Hotspots (kleinere und größere Brände, die vor allem durch Brandrodungen entstanden sind) unter Kontrolle zu bekommen. Inzwischen hat die malaysische Regierung einen Brief an die Regierung in Indonesien geschrieben und um höhere Dringlichkeit bei der Bekämpfung der Buschbrände gebeten. Gleichzeitig hat sie auch ihre Hilfe angeboten.

Kratzender Hals, juckende Augen

Bei Herstellern von Luftreinigern sorgt der Haze in Malaysia für steigende Umsatzzahlen.

Was bedeutet diese starke Luftverschmutzung für das tägliche Leben hier in Kuala Lumpur für uns persönlich? Zuallererst einmal haben wir uns, wie viele andere Expats auch, einen Luftreiniger für die Wohnung gekauft. Dieser steht seit vier Wochen im Schlafzimmer und läuft rund um die Uhr, damit man wenigstens nachts halbwegs gereinigte Luft einatmet. Trotzdem sind ein Kratzen im Hals, eine juckende Nase und tränende Augen ständige Begleiter. Ins Freie geht man freiwillig überhaupt nicht mehr und ansonsten nur noch zur Arbeit und für die allernotwendigsten Einkäufe.

Das erstaunlichste für uns Expats ist jedoch das Verhalten der Malaysier. Die sprichwörtliche malaysische Gelassenheit kommt jetzt voll zum Zuge. Man geht kaum noch ins Freie und kann die Kinder nicht mehr in die Schule schicken, na und? Kein böses Wort! Niemand meckert oder beschwert sich über die Regierung oder über den Nachbarstaat Indonesien. Man nimmt die schlechte Luft einfach hin und redet kaum darüber, außer vielleicht beim Gebet. In Deutschland habe ich schon deutlich schlechtgelauntere Menschen erlebt, wenn es mal zwei Tage am Stück regnet.