04.09.2019

Huskys am Äquator: Greta eine Schlittenlänge voraus

Von Frank Malerius, GTAI Jakarta

Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Der Klimawandel ist ein ernstes Thema. Seine Ursachen bedürfen einer nüchternen und wissenschaftsbasierten Analyse. Doch genau der steht die Obsession der Medien mit einem schwedischen Teenager entgegen. Deshalb kreist die Debatte um Verbote und verlangt nach einem disruptiven Wandel der Lebensgewohnheiten. Dabei sieht der Asienkorrespondent mit zwei bezahlten Heimflügen im Jahr schlecht aus.

Die Frage, wie hoch der anthropogene (d.h. menschengemachte) Anteil am Klimawandel ist, sollten Journalisten lieber Wissenschaftlern überlassen. Aber ob eine fortschreitende Erderwärmung das Leben wirklich unerträglich macht, lässt sich auch als Nicht-Klimaforscher empirisch untersuchen. Was liegt da näher als eine Anfrage beim Club der indonesischen Husky-Liebhaber, Zweigstelle Bali. Denn die versprengte Polarhundpopulation im Archipel nimmt quasi mehrere Jahrhunderte des Treibhauseffektes vorweg – von noch kälter zu noch wärmer geht auf diesem Globus nicht.

In Jakarta sieht man die stolzen Tiere gelegentlich während des sonntäglichen Car Free Day auf der Hauptverkehrsstraße Jalan Sudirman. Im Schlepptau haben sie ihre nicht minder stolzen Halter in Sneakers oder Flip Flops. Ihre stahlblauen Augen durchschneiden den Dunst der morgendlichen Tropenluft – die nächste Straßenkreuzung fest im Blick. Und sie verziehen beim Passieren der diversen Eisstände am Wegesrand nicht einen Mundwinkel. Kein nordischer Instinkt scheint ihnen das Leben am Äquator zu vergällen. Ganz im Gegenteil: Sie heben sich wohltuend ab von ihren parasitenbefallenen heimischen Artgenossen, deren Anzahl aufgrund von Tollwutinfektionen mancherorts immer mal wieder dezimiert werden muss. Wer bitteschön ist hier nicht hitzeresistent?

Keine Zuchtprogramme nötig

Deutsche Wertarbeit für 140 US-Dollar

Und siehe da: „In Indonesien geborene Huskys haben kein Problem mit dem tropischen Klima, sie kommen auch gut ohne Air-Conditioning zurecht“, sagt Darin Limanuel von Siberian Husky Club Bali. „Und ihnen genügt normales Hundefutter aus dem Supermarkt.“ Ihm seien auch keine klimabezogenen Krankheiten bekannt. Man müsse lediglich aufpassen, dass die hyperaktiven Tiere keinen Herzinfarkt erleiden. Darin zufolge gelten Huskys als familienfreundlich – eine vor Ort überlebenswichtige Eigenschaft. Andernfalls könnten sie sich zu ihren Artgenossen am Straßenbrand gesellen. Es ist nicht bekannt, wie viele Huskys im Inselreich leben, aber sie scheinen dort schon so heimisch zu sein, dass keine speziellen Zuchtprogramme notwendig sind. Schon für umgerechnet 150 bis 200 US-Dollar werden Welpen im Internet angeboten.

Und? Was ist am Ende drin für die deutsche Exportwirtschaft? Mehr als man vermuten sollte. Denn deutsche Wertarbeit hat auch im Heimtierbedarf einen exzellenten Ruf. Wer seinem Husky auf dem morgendlichen Spaziergang stilvoll etwas mehr Raum zugestehen will, entscheidet sich für die handgefertigte Hundeleine Made in Germany mit Lederverkleidung und 8 Meter langem Rollband. Kostenpunkt: umgerechnet 140 US-Dollar.