01.03.2019

Vietnam: Außer Spesen nichts gewesen

Von Frauke Schmitz-Bauerdick, GTAI Hanoi

Mit Donald Trump und Kim Jong-un gleich zwei durchaus kontroverse Persönlichkeiten in Vietnam zu Gast zu haben, ist nun wirklich nichts Alltägliches. Und auch auf mich und meine Arbeitsumgebung blieb dieses besondere Highlight nicht ohne Auswirkungen, wie sich im kleinen „Liveticker“ zeigt:

7:45 Uhr:

Habe mich heute eine Viertelstunde früher als sonst auf den Weg zur Arbeit gemacht. Das Lotte Center, in dem mein Büro ist, liegt an einer der Hauptverkehrsadern, die laut Zeitungsmeldungen später für den Kim-Trump-Gipfel gesperrt werden. Die Straßen sind dafür, dass eigentlich Berufsverkehr herrscht, erstaunlich leer. Vermutlich sind die großen Zubringer zur Stadt dicht. Die vietnamesischen Sicherheitskräfte gehen da durchaus konsequent vor, was zu ist, ist zu. Meine Kollegin berichtet, dass ein auf der Strecke liegendes Krankenhaus gestern keine Untersuchungen machen konnte, weil es an der Fahrtstrecke von Trump und / oder Kim liegt und Viettel und VNPT vorsorglich das Internet abgestellt haben. Möglicherweise nur ein Gerücht, vorstellbar jedoch ist es.

9:30 Uhr:

Laute Sirenen, ein Motorradkorso. Aber die Straßen sind noch frei. Das wird wohl niemand ganz Wichtiges sein. Im Büro wilde Spekulationen, wer wann wohin fahren wird.

9:37 Uhr:

Die Spannung steigt. Erste Polizisten sammeln sich an der Kreuzung neben vorbereiteten Absperrgittern. Noch sind die Straßen offen.

Ein wirklich einmaliger Anblick: Eine komplett leere Hauptstraße in Hanoi. Jetzt heißt es warten …

9:48 Uhr:

Die Straßen vor dem Fenster, sonst im Dauerstau, werden immer leerer. Ein bisschen wie an Karneval in Köln. „Wo bleibt denn der Zug?“

10:20 Uhr:

Die ersten Gitter werden aufgestellt. Theoretisch ist die Straße gesperrt. Die Mopeds finden aber immer noch einen Weg. Mittlerweile stehen alle Kolleginnen am Fenster mit dem besten Blick. Ich kann vom Schreibtisch aus auf die Straße gucken.

10:40 Uhr:

Ziemlich sicher werde ich das so nicht noch einmal erleben. Die Kreuzung vor meiner Arbeit ist komplett leer, kein Auto, kein Moped, kein Fußgänger, leer.

Da ist sie, die schwarze Präsidenten-Limousine, auch „The Beast“ genannt …

10:52 Uhr:

Es ist soweit: Sirenen, Motorradkorso, schwarze SUV’s und zwei schwarze Mercedes-Limousinen mit US-Flagge biegen um die Ecke. Es sieht aus wie Präsidentenszenen im Kino… Exakt sechs Sekunden dauert die Durchfahrt, dann ist das Spektakel vorbei.

10:54 Uhr:

Die Straßen sind wieder offen und alles ist als wäre nichts gewesen. Nett war’s trotzdem, selbst wenn sich die letzten Stunden und das Ergebnis des Gipfels im Grunde so zusammenfassen lassen: Außer Spesen nichts gewesen.